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Erinnerungen

Anfang des Jahres 2022 wurde die Mietersheimer Bevölkerung aufgerufen, der Ortsverwaltung im Rahmen der Eingemeindungsfeierlichkeiten Erinnerungen aus den letzten 50 Jahren zukommen zu lassen. Spannende und amüsante Berichte erreichten auf diesem Wege die Ortsverwaltung.

Neben den allgemeinen Erinnerungen wurden seitens der Arbeitsgruppe "50 Jahre Eingemeindung" auch zahlreiche Unterlagen durchforscht, um aus den letzten 50 Jahren Meinungen gezielt zur Eingemeindung ausfindig zu machen.

Allgemeine Zeitzeugen-Erinnerungen

„Früher konnte sich Mietersheim selbst versorgen.“

„Es gab ein Milchhäusle, wo man abends mit der Milchkanne die Milch abholte bevor der „Jilge Schorsch“ zur Bett-Zeit läutete und alle Jugendlichen zu Hause sein mussten – was nicht immer der Fall war.“

„Es gab die Bäckerei Jenne (Jennebeck) und die Bäckerei Wöhrle, die uns immer mit frischen Brötchen versorgten. Gegenüber befand sich der Sparladen Burger, der fast alles hatte, was man benötigte.“

„Wir hatten die Metzgerei beim Gasthaus „Zur Linde“, das Gasthaus „Zum Pflug“, den „Grünen Baum“ und später noch das „Café Stubanus“ mit Barbetrieb.“

„Die „Gärtnerei Binz“ versorgte uns mit allerlei Gemüse.“

„Aus dem Gasthaus „Grüner Baum“ wurde eines Tages „Zum Ast“.“

„Den gemeindeeigenen Stierstall nicht zu vergessen. Da wurden früher aus anderen Gemeinden die Tiere hergebracht zum Decken. Heute steht da das Bürgerhaus.“

„Später kamen noch dazu die Filialen der Sparkasse, die im heutigen Trauzimmer im Rathaus untergebracht war. Und die Volksbank, die in den mittlerweile geschlossenen Sparladen einzog. Später in das Gebäude der ehemaligen Bäckerei Wöhrle umsiedelte, um Platz zu machen für die Sparkasse, deren Räumlichkeiten im Rathaus zu klein wurden.“

„Die Treffpunkte der Jugendlichen waren früher: Der kleine Grünbereich am Eck von Breisgaustraße und Mietersheimer Hauptstraße, bei den Fahrradständern der Kaufhalle, in der „Sandgrube“ und natürlich am Fußballplatz des FC Mietersheim.“

„Früher gab es richtige Straßenfeste. Die hatten alle Vereine gemeinsam organisiert. Die Straße wurde dafür extra im Bereich Mietersheimer Hauptstraße 22 bis "Bei der Linde" gesperrt.“

„Seit 2018 haben wir den Seepark. Die nachträglichen Parkplätze haben für großen Wirbel gesorgt. Aber mittlerweile ist das vergessen.“

„Seit 2021 hat Mietersheim das Restaurant im Seepark: Das Haus am See.“

„Im heutigen „Pole Dance-Studio“ waren auch schon der Schlecker, ein Fotostudio und ein Wollladen.“

Meinungen zur Eingemeindung

Gottfried Walter (ehemaliger Ortsvorsteher) in einem Interview der Lahrer Zeitung am 27. Januar 1973: „Großer historischer Einfluss – Mietersheim – Zwischenbilanz einer Eingliederung“:

„Im Hinblick auf die Politik der Landesregierung – und das muss man also hier voraussetzen – war es ganz richtig, am 01.01.1972 Mietersheim im Zuge der Ortschaftsverfassung nach Lahr einzugliedern, obwohl es mir persönlich sehr viel Spaß gemacht hätte, als freier Bürgermeister einer freien Gemeinde die letzten Jahre meiner Amtszeit (bis Januar 1978) zu beschließen. Ich will damit nicht sagen, dass die Politik des Landes Baden-Württemberg richtig ist. Sondern, weil die Politik des Landes so läuft, war die Eingemeindung richtig. Das ist doch wohl ein Unterschied. In manchem könnte ich sagen, die Landes-Politik war falsch, allein aus der finanziellen Situation.“

„Diese Reform hat viel an Ehrenamtlichkeit im Lande zerstört.“

„Dass Kinder aus Lahr zu uns hierher in die Schule kommen, ist ein echter Erfolg der Eingliederung. Wir sind froh darüber; so konnte die Schule im Stadtteil Mietersheim erhalten bleiben.“

Ausschnitt aus dem Zeitungsartikel „Mietersheim ein Jahr nach der Vereinigung“ der Lahrer Zeitung am 27. Januar 1973: Dr. Brucker (ehemaliger Oberbürgermeister Stadt Lahr):

„Mietersheim sei der Stadtteil, der einen gewaltigen Aufschwung zu verzeichnen habe und künftig eine bedeutende Verwandlung miterleben wird. Das vergangene Jahr war eine Zeit, aus der Lehren gezogen wurden. Es sei nach Ansicht des Oberbürgermeisters gut gegangen, man habe gut miteinander gearbeitet.  

Gottfried Walter in einem Interview mit der Badischen Zeitung am 02. Oktober 2008:
„Die Eingemeindung war aus Mietersheimer Sicht sicherlich keine ‚Liebesheirat‘, sondern lediglich aus „kommunalpolitischer Vernunft“ mit einer Mitgift von rund 500 000 Mark Bargeld und rund 50 Hektar Aue- und Bergwald.“

Alfred Baum (ehemaliger Ortsvorsteher) bei seinem Grußwort zur 1.250-Jahr Feier: „Mietersheim unterschied sich von den anderen Lahrer Ortsteilen durch seine ehemals sehr geringe Größe und seine überaus enge Bindung an Lahr. Seine historische Besonderheit ist deshalb (…) recht einfach zu benennen. In der Gegenwart ist dies schwieriger. Und doch gibt es das Dorf weiterhin. Die Eingemeindung von 1972 hat daran nichts geändert.“

Diana Frei (Ortsvorsteherin) in einem Interview mit der Lahrer Zeitung am 14. Februar 2022: „Viele Baugebiete sind angelegt worden und dennoch hat Mietersheim seinen dörflichen Charakter nie verloren, da es keinen Durchgangsverkehr gibt. Das macht den Charme von Mietersheim aus.“

Diana Frei in ihrem Grußwort zur Broschüre "50 Jahre Eingemeindung - Mietersheim": "Die Bevölkerung sah die Veränderung anfangs kritisch, aber mit Blick auf die drohende Zwangseingemeindung blieb kaum eine Wahl. Im Laufe der Jahre änderte sich die Haltung, wir wuchsen nicht nur räumlich zusammen, wir wurden eine Gemeinschaft und haben uns doch unser Mietersheim im Herzen bewahrt. Die Eingemeindung war, davon bin ich überzeugt, für uns alle ein Gewinn."

Stadtarchivar Thorsten Mietzner in der Ortschronik „Vom Leben auf kleinem Fuß. Zur Geschichte von Mietersheim in Baden.“ aus dem Jahr 2012: „Auch nach 1972 hatten nicht „die Lahrer“ das Sagen im Ort, sondern umgekehrt fand nun die Willensbildung im Lahrer Gemeinderat unter intensiver Beteiligung der Stadtteile statt. "Alle konnten nun plötzlich überall mitreden.“

Ortschaftsrat Mietersheim im Rahmen des Fragebogens zur Ausstellung „Sieben auf einen Streich - 50 Jahre Eingemeindung“ im Stadtmuseum 2022: „Die Verantwortung und das Mitspracherecht ist zwar kleiner geworden, dafür hat Mietersheim ökonomische Vorteile und finanzielle Sicherheit erlangt. Das Fachmarktzentrum und der Seepark wären ohne Eingemeindung nicht möglich gewesen.“